Seine Kinder - Golo
27. März 1909 - 7. April 1994
Als drittes Kind der Manns in München geboren, stand Gottfried Angelus, Golo genannt, vor der Frage, ob er Vater, Onkel und Bruder Klaus folgen und Schriftsteller werden sollte - er ging als Historiker in die Geschichte ein.
Nach seiner Schulzeit im Internat Schloss Salem kristallisierte sich heraus, dass der als Eigenbrötler titulierte Filius auf eine akademische Karriere setzte. In Berlin, München, Paris und Heidelberg studierte er Latein, Soziologie, Geschichte und Philosophie. Seine Doktorarbeit über Hegel legte er 1932 beim berühmten Philosophen Karl Jaspers vor. Aus seinem Plan, nach einer Zwischenzeit am Gymnasium als Professor für Geschichte an die Universität zurückzukehren, wurde nichts.
Wenig später als die Eltern emigrierte Mann nach Frankreich (St. Cloud und Rennes), wo er als Lektor für deutsche Sprache auf eigenen Beinen stehen wollte. Nach drei Jahren als Mitarbeiter an der Exilzeitschrift Mass und Wert - als Ratgeber des Vaters unterdessen geschätzt - floh er während des Krieges über Frankreich und Spanien in die USA. Der Heimatlose hatte mit seinem ersten Buch über Friedrich von Gentz, einen Gegenspieler Napoleons, begonnen und litt an seiner Exilerfahrung - auch in seiner Position als Collegelehrer. Im Jahr 1943 meldete er sich zur US-Army und half nach der Befreiung Deutschlands, den Rundfunk in Frankfurt aufzubauen. Die zehn Nachkriegsjahre sind geprägt vom Pendeln zwischen dem Claremont College (Kalifornien) und Europa, Österreich und immer wieder der Schweiz. Während er die ersten vierzig Jahre seines Lebens wenig publizistisch aktiv war, begann er in Zürich als Leitartikler Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen; erste kleinere Sachbücher wie Vom Geist Amerikas und der Sammelband Außenpolitik erschienen.
Golo - Zürich 1937
Zürich 1937
Golo - Californien um 1943
Californien um 1943
Golo - Als Professor in Stuttgart 1961
Als Professor in Stuttgart 1961
Golo - Verleihung des Bodensee Literaturpreises 1987
Verleihung des Bodensee Literaturpreises 1987
Drei Jahre nach dem Tod Thomas Manns erschien im Jahr 1958 eine Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, die eine Millionenauflage erreicht hat und in neun Sprachen übersetzt ist. Dieses Buch machte Golo Mann berühmt. Der Herausgeber der ehrgeizigen Propyläen Weltgeschichte nahm, nachdem er andernorts abgesagt hatte, 1960 eine Professur in Politikwissenschaft in Stuttgart an, litt aber an den Verpflichtungen des Lehrbetriebs, dem er 1963 nach einem Nervenzusammenbruch schließlich den Rücken kehrte. Als freier Publizist und Autor war er nicht nur ein gefragter Kommentator des Zeitgeschehens, er fand auch Zeit, an seinem opus magnum, der Wallenstein-Biographie zu arbeiten, die 1971 bei S. Fischer erschien, dem Verlag, dem er seit 1957 die Treue hielt und für den er auch die Neue Rundschau mit herausgab.
Golo Mann, der zunächst eher dem politisch linkem Lager zugeschlagen wurde (weil er beispielsweise die Oder-Neiße-Grenze akzeptierte), setzte sich als Berater für Willy Brandt ein, wandte sich aber enttäuscht von dessen Ostpolitik ab. Er redete der Studentenbewegung ins Gewissen und entwickelte sich vollends zum konservativen Denker, der für Franz Josef Strauss in den Wahlkampf zog - eine von vielen problematischen Parteinahmen. Als Redner war er auf allen Podien der Republik ein streitbarer Kopf, die Kraft zu umfangreichen historischen Studien fand er abgesehen von Ludwig I., König von Bayern und diversen Sammelbänden, nicht mehr.
Ins öffentliche Bewusstsein schrieb Mann sich auch als Memoirenschreiber ein; 1986 erschien Erinnerungen und Gedanken: Eine Jugend in Deutschland, in denen er von der Familie sowie dem aufziehenden Nationalsozialismus berichtete. Im zweiten, posthum veröffentlichten Teil verfolgte Golo Mann den eigenen Lebensweg weiter nach Frankreich.
War Golo Mann ein Historiker oder ein Schriftsteller?, fragten die Autoren der Nachrufe im Jahr 1994. Als Wanderer zwischen beiden Welten war es dem Intellektuellen stets um den stilistischen Anspruch in der Vermittlung des Vergangenen gegangen.
Golo Mann pflegte zahlreiche gelehrte Freundschaften, war ein leidenschaftlicher Wanderer und begeisterte sich für Sprachen und Lyrik. Er verstarb fünfachtzigjährig im Haus seines Adoptivsohns in Leverkusen; sein Nachlass wird heute in Bern im Schweizerischen Literaturarchiv aufbewahrt.