Seine Kinder - Erika
9. November 1905 - 27. August 1969
Die älteste Tochter Thomas Manns wollte nach ihrem Abitur Schauspielerin werden. Mit 21 Jahren heiratete sie Gustaf Gründgens und feierte an verschiedenen deutschen Bühnen Erfolge. Zusammen mit ihrem Bruder Klaus gab sie ein ‚duo infernale', das in den Jahren 1927 und 1928 auf Weltreise ging. In dieser Zeit fing Erika Mann an zu schreiben: für Zeitungen, ein Bühnenstück, 1932 dann ein Kinderbuch: Stoffel fliegt übers Meer. Diesem Metier sollte sie in den kommenden Jahrzehnten treu bleiben. Im Leben ging Erika Mann aufs Ganze: als Rennfahrerin oder als politische Kabarettistin. In der Emigration in Zürich etablierte sie 1933 die jüngst in München gegründete Kompanie Pfeffermühle wieder und verbuchte große Erfolge, die sie in den USA fortzusetzen gedachte. The Peppermill of New York wurde allerdings kein durchschlagender Erfolg. Nachdem - wie der ganzen Familie Mann - die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt worden war, heiratete sie kurzentschlossen den englischen Schriftsteller Wystan H Auden. Diese Scheinehe half ihr bei der Einwanderung in die USA, wo sie nun als Vortragsreisende über Nazi-Deutschland aufklärte. Wie Klaus und Golo Mann setzte sie ihre Talente auch beim Radio ein, bei der BBC London oder dem Office of War Information. Mit ihrem Bruder Klaus arbeitete sie an zahlreichen Projekten gemeinsam, so am Buch Escape to Life.
Erika - Klaus und Erika als Duo auf Tournee 1928
Klaus und Erika als Duo auf Tournee 1928
Erika - Mit Thomas Mann in den 1950er Jahren
Mit Thomas Mann in den 1950er Jahren
Neben dieser Arbeit schrieb sie weiterhin Kindergeschichten wie Zehn jagen Mr. X, eine Erzählung über gute und schlechte Deutsche in den USA und einer friedlichen Zukunftsordnung nach dem gewonnenen Krieg. An diesem nahm sie als Kriegsberichterstatterin teil - zunächst in Ägypten, Palästina und dann in Europa. Sie berichtete zudem von den Nürnberger Prozessen. Ihre Hoffnungen in die Nachkriegsordnung hatten sich nicht erfüllt. Deutschland war ihr entfremdet, Erika Mann floh in die Zusammenarbeit mit ihrem Vater, dessen Sekretärin und Ratgeberin sie schon während der Exilzeit in den USA geworden war, sie wohnte im Haus des Vaters in Pacific Palisades. Erika übersetzte, gab Statements, organisierte, war Teil des Familienbetriebs Mann geworden.
Den Tod von Klaus im Jahr 1949 konnte sie nur schwer verwinden, und als ihr Vater 1955 verstarb, stürzte sie sich in die Arbeit am Nachlass, kümmerte sich um Rechtsfragen, Verfilmungen und die umfangreiche Korrespondenz. 1956 schrieb sie Das letzte Jahr. Bericht über meinen Vater.
Schon in den USA kam Erika Mann ohne Medikamente nicht aus, ein nachhaltiger Erfolg hatte sich für sie in der Neuen Welt nicht eingestellt. Nachkriegsdeutschland gegenüber blieb sie im Unterschied zu ihrem Bruder Golo äußerst skeptisch, weshalb sie ein Leben im Kilchberger Haus mit der Mutter vorzog.
In den Jahren 1963-1965 gab sie eine Auswahledition der Briefe ihres Vaters heraus, der lange Zeit der Forschung als Grundlage diente. In den letzten beiden Jahrzehnten wurde sie als Kinderbuchautorin wiederentdeckt, ihre Bücher wie Christoph fliegt nach Amerika und Zehn jagen Mr. X zählen zu den Klassikern des Genres. Teile ihres Nachlasses befinden sich in der Münchner Monacensia-Bibliothek.