aus einer Rezension
(ich bitte um Entschuldigung, dass ich von diesem Buch immer noch so begeistert bin)
Die Gesellschaft ist krank – analog zur Belegschaft des Zauberbergs- , aber in Krankheit liegt die Chance der Erkenntnis, dass der „Mensch mehr ist als blosse Physis“.
Rohrmoser beleuchtet hier aus neuer Perspektive seine an anderer Stelle deutlich ausgesprochene Warnung vor der kränkenden „Totalökonomisierung des Menschen“ im globalisierenden Weltwirtschaftsgeschehen.
Wir verlieren in Deutschland unsere eigene Position: Wer ausser Geld nichts mehr sieht, hat keinen Inhalt. Und eine Gesellschaft ohne inhaltliche Position ist ideologieanfällig. Und an dieser Stelle wird die Aktualität und Übertragbarkeit von Thomas Mann's Position als „Diagnostiker des deutschen Bürgertums“ von Rohrmoser zwingend hergestellt: Auch Weimar hatte zu einem Identifikationsverlust der bürgerlichen Gesellschaft geführt. Der Rattenfänger Hitler hatte auch von daher leichteres Spiel.
Wenn der Philosoph Günter Rohrmoser sich an Thomas Manns „Zauberberg“ und „Dr. Faustus“ macht, dann kann man sicher sein, dass dabei am Ende keine literaturästhetische Betrachtung herauskommt. Rohrmoser zwingt den Leser auch in seiner neuesten Publikation in die Konfrontation mit der Gegenwart, d.h. dem Zustand der bürgerlichen deutschen Gesellschaft heute.
Wenn der Leser anhand des Mann'schen „Flachland“-Begriffs in das geistige Flachland bundesbürgerlicher Realität geleitet wird, so darf er sich überlegen, ob dies für ihn genüsslich oder peinlich wird, ob „hohles Schweigen“ oder „Langeweile“ ihn bereits ergriffen haben.
(Dietrich Gondosch)
Günter Rohrmoser: "Dekadenz und Apokalypse
Thomas Mann als Diagnostiker des deutschen Bürgertums"
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