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Wulf Rehder
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Clawdia ueber Moral
Erstellt am 18.02.2009 08:59
Der Dialog ueber Moral zwischen Hans Castorp und Clawdia Chauchat findet im fuenften Kapitel, im Abschnitt „Walpurgisnacht“, des ersten Bandes des „Zauberberg“ statt. Beide sprechen meist franzoesisch. Ihr Hauptargument beginnt mit „il nous semble qu’il faudrait chercher la morale non dans la vertu ...“, und gegen Ende gesteht Hans, der abendlaendische Bourgeois, der Asiatin Clawdia in gluehenden Worten seine Liebe. (Settembrini hatte ihn gewarnt!) Nach Clawdia ist die Moral also nicht in der Tugend zu suchen, das heisst in der Vernunft, der Zucht, den guten Sitten, der Ehrenhaftigkeit, sondern vielmehr im Gegenteil, will sagen: in der Suende, in der Hingabe an die Gefahr, an das, was schaedlich ist, an das, was uns verzehrt. Es sei moralischer, sagt sie, sich zu verlieren und selbst zu verderben, als sich zu bewahren. Hans Castorp folgt dieser Anweisung, und seine Lehrerin Clawdia Chauchat wird fuer eine Nacht seine Geliebte, von Thomas Mann allerdings nur diskret angedeutet (verglichen etwa mit der Beschreibung des Abenteuers zwischen Felix Krull und der Schrifstellerin Diane Houpfle). Damit endigt der erste Band des „Zauberberg“.
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